URL: www.caritas-meschede.de/verband/presse/trennungs-und-scheidungskinder-52fae2ea-1b34-4211-aa63-233d28887d00
Stand: 10.04.2018

Pressemitteilung

Trennungs- und Scheidungskinder

Zum Start und zum Ende ist ein Elterngespräch vorgesehen.
Geschwisterkinder sollten nur einzeln teilnehmen und die Caritas-Beratungsstelle achtet darauf, dass die Kinder auch altersmäßig zusammenpassen. Grundsätzlich eignet sich das Programm für Kinder im Alter zwischen acht und zwölf Jahren.
Anmeldungen und weitere Informationen sind möglich unter 0291 9021-131.

Trennung und Scheidung der Eltern lässt für die meisten Kinder eine Welt zusammenbrechen. Papa und Mama gehören doch zusammen! Sie fühlen sich existentiell bedroht und geben oft sogar sich selbst die Schuld. Sozialpädagogin Gertrud Budeus von der Caritasberatungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche fängt die Jungen und Mädchen mit einer eigenen Gruppe auf.

Ihre Gruppe scheint ein wenig wie eine Selbsthilfegruppe für Kinder?
Ein wenig stimmt das, die Teilnehmer stärken sich gegenseitig, helfen sich mit Tipps und sehen, dass sie mit ihren Sorgen und Ängsten nicht allein sind. Sie machen die Erfahrung, dass es anderen Kindern ähnlich geht wie ihnen. Bei uns werden die Jungen und Mädchen durch erfahrene Sozialpädagogen betreut.  Alles, was gesagt wird, bleibt hier im Raum.  Das gilt auch schon für relativ kleine Kinder zwischen acht und zwölf Jahren.

Worunter leiden die Jungen und Mädchen besonders?
Das hängt stark davon ab, wie  das Zusammenleben vorher und die  Trennungszeit verlaufen ist. Gab es vorher schon viel Streit und Stress? Kinder haben ein Gespür dafür, dass etwas nicht stimmt selbst wenn Eltern versuchen, die oft lautstarken Auseinandersetzungen von ihnen fernzuhalten.  Und auch wenn Eltern versuchen, das Kind auf ihre Seite zu ziehen, indem sie den Partner schlechtmachen  – das belastet besonders.

Was raten Sie?
Eltern sollten  versuchen im Gespräch zu bleiben und ihre Gefühle unter Kontrolle halten. Sie müssen mit den Kindern reden: „Auch wenn wir uns trennen, heißt das nicht, dass wir euch nicht mehr liebhaben. Wir wollen weiter gut für euch sorgen.“ Und auf jeden Fall müssen sie ihnen versichern, dass sie nicht schuld an der Trennung sind.  Gleichzeitig sollten sie auch Erzieher und Lehrer über die neue Situation informieren. Vieles wird dann auch verständlicher, wenn Kinder zum Beispiel in den Noten abfallen, aggressiv reagieren oder sich total zurückziehen. Bei solchem Verhalten kann ein Kind oder Jugendlicher bei uns auch zeitnah in Einzelberatungen Hilfe erhalten.

Wie kommen Kinder auf den Gedanken, die Trennung sei ihre Schuld?
Uns erscheint das vielleicht abwegig, aber manchmal meinen Kinder die Eltern hätten Streit wegen der schlechten Schulnoten oder weil sie Zuhause nicht mithelfen oder sich weigern ihr Zimmer aufzuräumen oder auch weil sie ständig mit den Geschwistern streiten. Hier ist es wichtig den Kindern diesen Druck zu nehmen und ihnen klarzumachen, dass sie nicht der Grund für die Trennung sind.

Welche Sorgen machen sich Kinder, wenn die Trennung konkret wird?
Trennung ist heute nicht mehr selten. Kinder erleben in ihrem Umfeld häufiger, dass Eltern sich trennen und Familie auseinanderbrechen. Trotzdem haben sie Angst, dass sie ihr gewohntes Umfeld verlieren können, Hobbys aufgeben müssen oder durch einen Umzug Freunde verlieren. Wenn Eltern ihnen diese Sorgen nehmen können, sollten sie das tun und sie schonend darauf vorbereiten und wenn möglich auch mit einbeziehen.

Welche Haupt-Wünsche hatten Mädchen und Jungen in Ihrer Gruppe an ihre Eltern?
Vor allem, dass sie „normal“ miteinander umgehen und  miteinander reden und keinen Streit vor den Kindern austragen. So sagte einmal ein Mädchen in der Kindergruppe, dass sie es gut fände, wenn der Vater nach einem gemeinsamen Wochenende die Kinder bis an die Tür der Mutter begleiten, ein paar Worte mit dieser wechseln und sich dann verabschieden würde. Normalerweise ließe der Vater seine Kinder aber vor dem Haus der Mutter aussteigen und käme nicht mit hinein. Kinder leiden auch sehr darunter, wenn ein Elternteil den anderen schlecht macht, den Vater z.B. als Spaß-Papa bezeichnet, der am Wochenende nur die schönen Dinge mit seinen Kindern unternimmt oder die Mama als unfähig und  unzuverlässig beschimpft.  Kinder beziehen solche Kränkungen  immer auch auf sich, weil sie ja  Anteile von beiden Eltern in sich tragen.

Neue Patchwork-Familien stellen da auch eine besondere Herausforderung dar?
Ja, da sollte man  allen Beteiligten die für sie nötige Zeit lassen um sich aneinander zu gewöhnen. Viele  Kinder wünschen sich auch,  dass z. B. der Papa  mal Zeit nur für sie hat ohne seine neue Partnerin und deren Kinder.

Was halten Sie davon, die Ehe nach außen aufrecht zu halten, bis die Kinder aus dem Gröbsten heraus sind?
Das muss man im Einzelfall entscheiden. Aber ich halte grundsätzlich mehr von einem klaren Schnitt, der einen Neuanfang für alle Seiten ermöglicht. Kinder kommen mit einer Trennung klar, wenn Eltern sich vernünftig verhalten und weiterhin gut für sie sorgen.